BZ-Zeitung Wirtschaftsbeilage

21 Februar 2012
Gepostet von digitalwerkstatt

Digitale Produktion für jedermann
Von der Fabrik ins Atelier – Laserschneiden findet neue Anwendungen: Die Digitalwerkstatt GmbH erschliesst Desktop-Producing für Handwerk und Kreativwirtschaft.
Regula Vogt-Kohler
Ob schneiden oder gravieren, ob Holz, Leder, Karton oder Plexiglas, ob ein oder 5000 Stück – kein Problem für den Lasercutter in der Digi- talwerkstatt in einem Hinterhof am Kleinbasler Bläsiring. Entsprechend breit gefächert ist die Kundschaft des Duos Claudio Kuenzler und Da- niel Koelliker, die das Unternehmen im Mai 2010 gegründet haben.
Die Palette reicht von der Privatperson über Studenten, Handwerker, Schmuckdesigner und Künstler bis zum Architekturbüro mit Weltruhm. Zum Lasercutter gesellte sich bald ein 3-D-Prin- ter, der quasi auf Knopfdruck beziehungsweise Mausklick aus einer am Computer entwickelten virtuellen Idee in relativ kurzer Zeit ein dreidimen- sionales Modell macht.
«Wir machen nichts doppelt»
In der digital gesteuerten Anfertigung von Bau- sätzen für Architekturmodelle sahen Kuenzler und Koelliker anfänglich den Hauptanwen- dungsbereich ihrer Laserschneidemaschine. In der Realität zeigte sich schnell, dass es fast un- endlich viele weitere Anwendungen und vor al- lem auch einen Bedarf dafür gibt. «Die Möglich- keiten sind riesig. Wir machen eigentlich nichts doppelt», sagt Daniel Koelliker. Der Blog auf ihrer Website liefert einen Einblick in die vielfältige Tä- tigkeit der beiden Jungunternehmer: Die Palette reicht vom Firmenschild über gemustertes Leder bis zur Modelform für Anisbrötchen als Kunden- geschenk.
Entstanden ist die Geschäftsidee in Kuenz- lers Diplomarbeit, die sich mit dem Zugang zu Desktop-Producing und Rapid-Prototyping in Basel befasste. Kuenzler und Koelliker haben sich an der Hochschule für Gestaltung und Kunst in Basel zum Industrie- und Produktede- signer mit Vertiefungsrichtung Prozessmanage- ment ausbilden lassen, also der Verknüpfung von Technik, Design und Management.
In ihrer Ausbildung im Institut HyperWerk haben sie computergesteuerte Produktions- techniken kennengelernt. Diese gelangen in der Industrie schon längst zur Anwendung. Die Di- gitalwerkstatt macht nun die digitale Produktion mit Laser oder 3-D-Printer für alle zugänglich. Dies eröffne der Kreativwirtschaft die Möglich- keit, prozesshafter zu arbeiten, sagt Daniel Ko- elliker. «Die Kunden haben schneller Ergebnis-
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Daniel Koelliker und Claudio Kuenzler machen den Lasercutter neuen Branchen zugänglich. NICOLE NARS-ZIMMER
se in der Hand.» So dauert es nicht mehr Tage, sondern noch acht bis zehn Stunden, bis das Modell eines Einfamilienhauses vorliegt. Dies ist gerade in Branchen mit Termindruck ein Vorteil.
Lösungen erarbeiten
Wer die Dienste der Digitalwerkstatt in Anspruch nehmen will, muss kein fixfertig detailliertes Pro- jekt mitbringen. Es kann auch eine Idee, eine Skizze sein. Neben der eigentlichen Produktion gehören auch Beratung und Entwicklung zum Angebot. «Wir erarbeiten eine Lösung mit dem Kunden», sagt Koelliker. «Oft machen wir auch eine Prototyp-Phase.»
Der Lasercutter lässt sich für eine Vielzahl von Materialien einsetzen – von Holz, Plastik und Glas über Papier, Karton und Leder bis zu Schaum- stoff und Fliessen. Der Umgang mit den ver- schiedenen Materialien sei eine tägliche Lehre, sagt Kuenzler. Ständig kommen neue hinzu. Die gängigsten Materialien wie Karton und Sperrholz führen Kuenzler und Koelliker am Lager.
Die beiden Jungunternehmer sind mit ihrem Angebot nicht mehr allein: «Konkurrenz gibt es bereits, die Schweiz ist klein.» Doch mit ihrem ersten Jahr sind die beiden zufrieden: «Wir in- vestieren viel, geniessen aber auch die Freihei- ten, die man als Selbstständiger hat.» www.digitalwerkstatt.ch